
Nach 1,5 Monaten (nicht Jahren!) Planung und Vorbereitungen startete ich am 24. April aus Gundelsheim am Neckar, meiner Heimatstadt in Baden-Württemberg im Süd-Westen Deutschlands. Die ersten 200km brachten mich in einer langen Nachtfahrt zum Hersteller meines Liegerads nach Frankfurt, der das Bike überprüfte und einige Teile ersetzte. Zusammen mit Jürgen Eick, Leitra Enthusiast, und Carl Georg Rasmussen, dem Vater der Leitra, ging es zur Spezialradmesse nach Germersheim, wo sich die Spezialradgemeinde einmal im Jahr einfindet.

Danach ging es weiter nach Köln-Bonn und durch Holland und Belgien nach Brüssel - ein kleiner Umweg in eine Gegen wo vor 60 Jahren heftig gekämpft wurde, jetzt jedoch nicht einmal mehr Grenzzäune zu finden sind! Brüssel empfing mich mit einem CouchSurfing Meeting und einem VeloCity Fahrrad-Tag mit etwa 10.000 Teilnehmern.
Auf dem Weg nach Paris, wo ich am 10. Mai “offiziell” zu Paris-Peking starten sollte, traf ich Claude Hanras und wurde wärmstens von seiner Familie empfangen und konnte so dem Regen für 2 Tage entkommen. Jedoch waren die nächsten 2 Wochen gefüllt mit Regen, sogar der 10. Mai in Paris. Zusammen mit heftigem Gegenwind stellte dies eine erste harte Probe für den angehenden Abenteurer dar.

Durch ganz Europa verbrachte ich nicht eine einzige Nacht in einem Hotel/Motel/einer Jugendherberge oder einem Bed&Breakfast, sondern unter dem Sternenhimmel, in Ruinen, Neubauten oder Bauernhöfen/Schäunen. Ich arrangierte einige Übernachtungen oder kurze Aufenthalte bei CouchSurfern über das Internet und war mit hilfe offener Funknetze und meinem Laptop fast täglich online.

Der Regen folgte mir in jedes der bereisten europäischen Länder und sogar in Griechenland hatte ich tägliche Schauer - 2 Monate später berichteten die Medien weltweit über verheerende Buschbrände im Land der antiken Philosophen. Nasta und Vasilis, sehr warmherzige, freundliche und offene CouchSurfer - mein CouchSurfing Idole - beherbergten mich in ihrer speziellen CS-Wohnung.
Nach der Beantragung eines Visums für den Iran in Istanbul ging es entlang wunderbar entlegener Sträßchen, teilweise entlang Feldwegen durch viele türkische Küstenstädte und -dörfer am Schwarzen mehr. Ein nicht enden wollendes Auf und Ab entlang der hügeligen Küstenlinie zusammen mit verführerischen, jedoch Bauchschmerzen verursachenden Trauben bremsten mein Vorankommen dort etwas.

Weiter radelte ich durch den Iran, Teil der “Achse des Bösen”, und ich hatte extremste Schwierigkeiten voranzukommen aufgrund der unbeschreiblichen, tief in der islamischen Religion verwurzelten Gastfreundschaft der iranischen Bevölkerung, die mich täglich mit Früchten eindeckte und mich oftmals am Abend von der Straße direkt nach Hause einlud. Meinem Freund und Gastgeber Saber sowie seinen Freunden in Tehran und seiner Familie verdanke ich eine wunderbare Zeit - sie retteten mich über die Wartezeit auf die Visen für Turk- und Usbekistan!
Die Nachtfahrten im Iran wären in den hätten in den folgenden zentralasiatischen Ländern verheerende, wenn nicht sogar tödliche Folgen gehabt, jedoch musste ich aufgrund eines nur 5 Tage gültigen Transitvisums für Turkmenistan alle Kräfte zusammennehmen und in Temperaturen, die oftmals die 40°C überschritten, und teilweise heftigem Gegenwind die beinahe 600km zur usbekischen Grenze zurücklegen.
Ohne die Verzögerung beim Erhalt der Visen für die ehemals sovietischen Länder hätte ich problemlos einige andere Fahrer der Beijing to Paris Rallye in Kirgistan/Usbekistan treffen können, jedoch traf ich von Usbekistan an auf mehr Tourenradler als zuvor - oftmals eine willkommene Abwechslung zur schlecht funktionierenden Kommunikation mit den meist nur russisch sprechenden lokalen Bevölkerung; letztere war mir gegenüber nicht immer freundlich gesonnen und oftmals versuchte man mich im Handel abzuzocken (doppelte oder dreifache Preise) und mehrmals flogen Objekte wie Zwiebeln und Steine unter Vodka-Einfluss in meine Richtung.

Zusammen mit Goska und Herve von der DeVELOtour (Frankreich) verbrachte ich 4 wunderbare Tage in den Bergen Kirgistans und über meinen ersten 3000er Pass (3615m) nach Sari Tash, von wo aus man die atemberaubende Pamir Kette mit dem über 7000m hohen Peak Lenin bestaunen konnte. Hier hatte ich auch meinen ersten und einzigen Platten zwischen Paris und Peking!
Dank eines sehr seltenen und scher zu bekommenden 3 Monatsvisums und eines vorherigen Planungsfehlers bekam ich wenige Tage nach der Ankunft in China die Chance durch Tibet zu radeln. Und obwohl ich zu der Zeit sehr minimalistisch unterwegs war und meine Ausrüstung nicht für die Extrembedingungen in Tibet ausgelegt war, erreichte ich Lhasa mit meinen Reisepartnern Marc (absolut nicht minimalistisch) und später Boris, der ähnlich leicht wie ich unterwegs war. Die Tibet Rekorde waren ein 5400m hoher Pass, Temperaturen bis zu -31°C und nur 3-4 Tage unter 4000m Höhe in einem 1,5 monatigen Zeitraum!

Nach Tibet machte ich einen Fehler, der mich beinahe dazu brachte für die letzten 500-600km einen Bus nach Beijing zu nehmen: In der Erwartung wärmerer Temperaturen in der Inneren Mongolei lies ich ein paar Handschuhe und Kleider zurück. Dies zusammen mit angeschwollenen Fersen und Problemen Geld in der lokalen Währung zu bekommen machten die 2 verbleibenden Wochen zur Haupt- und Olympia-Stadt 2008 ein Abenteuer für sich.
Durch Zufall traf ich 3 Tage vor meiner Ankunft in Beijng wieder auf Sebastien, einen französischen Tourenradler von Lyon nach “Pekin”, und zusammen hatten wir viel Spass auf dem verbleibenden Weg und bei der Ankunft am Ziel unserer Tour, dem Tiananmen Platz im Herzen der Metropole.









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