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Tag Archive for 'radnomade'

Zurück auf der Hochebene

Endlich hatten wir alle Besorgungen erledigt, die wichtigsten Leute zu Hause in Kenntnis gesetzt über unseren Aufenthaltsort und unser Wohlbefinden, so dass es losgehen konnte.

Wie waren die Aussichten am Morgen des 29.10.? Miserabel, wenn man zeitliche Vorgaben hat. Denn wir hatten noch viel vor, jedoch nur noch etwas mehr als einen Monat Zeit für einige der Höhepunkte, wie die Salzseen und Lagunen-Route.

1000 Meter in vertikaler Richtung standen direkt bevor. Verteilt auf vielleicht 25 bis 30 km. Diese Strecke waren wir ein paar Tage zuvor auf dem Weg hinab nach Putre schon gefahren. Noch einmal und dazu noch viel langsamer und mit weitaus mehr Gewicht in den Taschen wollten wir das nicht, auf keinen Fall!

hitchhiking with bikes

Ohne Anwendung irgendwelcher Überredungskünste überzeugten wir einander also davon, nach 100 zurückgelegten Höhenmetern, per Anhalter weiterzufahren. Und welch ein Glück: Gleich der erste Laster stoppte für uns, wir hievten zusammen die voll beladenen Tourenräder hoch. Hinten auf der Ladefläche fehlten einige Abtrenn-Klappen, so dass wir die Räder zur Sicherheit immer festhielten.

Denn was uns bevorstand, war eine spritzige Fahrt auf kurvenreicher Asphaltstraße, danach ein kurzer Abstecher zu einem heißen Bad, wo die Arbeiter etwas zu besprechen hatten. Nach insgesamt 600 bis 700 gewonnenen Höhenmetern setzte man uns neben einem Militärcamp ab.

hitchhiking on back of truck

Ich glaube, dass dies das erste Mal war, dass ich zusammen mit meinem Vater per Anhalter gefahren bin … und dann gleich so unkonventionell und wie ich eingestehen muss ziemlich gefährlich.

Wir dankten den freundlichen Chilenen und verabschiedeten uns sogleich. Weitere 250 Meter mussten wir hoch, jetzt wieder ganz alleine. Gefährliche Gefährten schleppten sich neben uns den Pass hinauf: Voll be- und oft auch überladene Lastwagen mit Gütern für Bolivien und Argentinien. Einige mit alten chilenischen Autos für die Städte Boliviens, andere gewährten keine Einsicht, sondern verdeckten den Blick auf ihre Güter durch Planen.

Zweimal auf nur wenigen Kilometern kam es zu grob fahrlässigen Überholmanövern, einmal musste ich notgedrungen die Straße verlassen um nicht tuschiert zu werden.

straight to PUTRE

Endlich hatten wir ohne Schaden zu nehmen die Abzweigung nach Guallatire (Gualjatire gesprochen) und zum Salar de Surire (Salzsee Surire) erreicht. Von nun an weiter auf Schotter, mehr Abenteuer und weniger Verkehr.

Doch mit einer Sache hatten wir beim Stricken dieser süßen Gedanken in unseren Köpfen nicht gerechnet: Nämlich, dass die Chilenen am Salzsee unermüdlich Rohstoffe abbauen würden und zwar im industriellen Maßstab. Infolgedessen hatten wir alle 10 Minuten  Konfrontationen mit rasenden Monstern, die hinter sich eine Wolke aus Staub herzogen wie ein brennendes Auto in Hollywood-Streifen eine Fahne aus Feuer und Staub hinter sich herzieht. Eingestaubt wurden wir heute jedoch zum Glück nur wenig, denn Äolus ließ die Winde aus westlicher Richtung wehen - wir waren am rechten Rand der Schotterpiste nach Süden unterwegs.

volcanoe

Diesen weiß gepuderten Vulkan hatten wir immer zur Linken. Während wir von Anstrengung und Höhe erschöpft keuchten emittierte er ihn einer sagenhaften Ruhe immer diese Rauchfahnen. Doch recht trauen konnten wir der zahmen Pafferei nicht wirklich … lieber ein bisschen schneller fahren.

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Schöne Pfade und seltsame Gesteinsformationen

Als die Nacht gut überstanden war, gab es erst einmal Frühstück. Dabei beobachteten wir ein für mich sehr erfreuliches Phänomen: Jede 2 Minute radelte ein Kind auf Fahrrad ganz in der Nähe vorbei. Alle auf dem dünnen Pfad neben der Straße in Richtung nächste Ortschaft zur Schule.
rock formations

Weiße Felsformationen stechen hervor

Wir hatten uns in dieser Ortschaft eingedeckt, da wir nicht wussten, wie weit es zur darauffolgenden sein würde - und sicher ist sicher! Noch eine kühle, bolivianische Cola für umgerechnet 20 Euro Cent getrunken, konnte es weitergehen. So sahen die Wege aus, wenn wir nicht die viel zu grob geschotterte “Straße” fuhren.

Bolivia: trail mania

Viel Spaß auf engen Pfaden

Und hier nun die Verpflegung Station am Mittag: Vier Frauen aus einem ansonsten ausgestorben wirkenden Dorf, die mit ein paar Styropor-Behältern und jeder Menge isolierenden Wolltüchern aus Eigenproduktion die Vorbeireisenden mit Nahrung versorgten. Das heißt, viel Verkehr gab es hier nicht wirklich. Das Geschäft lief gut, wenn alle 10 Minuten einmal ein LKW seine Staubwolke mit sich brachte und anhielt.

Bolivia women

Imbiss Stand an der Hauptstraße

Denn das Klima war trocken, Sonnenschein, dünne Luft. Da zog jedes größere motorisierte Vehikel seine Staubwolke hinter sich her. Wir Radler durften entweder Staub inhalieren oder mussten kurzzeitig anhalten … denn Luft anhalten und zugleich weiterfahren, daran war in diesen Höhen wahrlich nicht zu denken!

stone church

Steinerne Dorfkirche auf Bolivianisch

Plötzlich fanden wir uns in einer sehr skurrilen Felslandschaft wider, die sich über mehrere Kilometer unserer Fahrstrecke hinzog. Nur für die Straße wurde richtig Platz gemacht, selbst wenn sie sich noch immer in Schlangen-Kurven durch die Felslandschaft zog. Prima Klettermöglichkeiten für Entdecker aller Couleur gab es hier und ich nahm mir natürlich alle Zeit dafür - eine willkommene Abwechslung zu den langen Stunden im Sattel.

recumbent in the rocks

Skurile Felslandschaft am Abend

Das Zelt wurde mit prima Ausblick, windgeschützt und mit Sichtschutz vor den Blicken der ab und an Vorbeifahrenden errichtet, direkt neben einem Wegstück der ehemaligen Straße. Mit fast allen verfügbaren Spannseilen gesichert und “ruhig gestellt”.

camp in the rocks

Bei der alltäglichen Camping-Routine

Danach hieß es nur noch Kalorien bunkern und die überwältigende Landschaft und Atmosphäre auf sich einwirken lassen:

sun rays and dark clouds

Der Blick zum Rande der Hochebene

camp in the rocks

Camp inmitten der Felsen

Beim Nachverfolgen der Route bin ich diesmal auf einige Probleme gestoßen. Die Karten-Kacheln bei Google Maps waren leider nicht höher aufgelöst, so konnte ich den Weg nicht gut verfolgen. Ich hoffe, dass ich im nächsten Beitrag wieder Witterung bekomme. Bis dann.

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